"Schatten über Velkaris"

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Savron
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"Schatten über Velkaris"

Beitrag von Savron »

Das stumpfe Klacken eines zerkratzten Datenpad-Gehäuses hallte durch das Zelt, als Inquisitor Tiberon Quast es auf die Unterlagen vor sich warf. Er sass auf einer alten Truhe, die eher einem provisorischen Altar für verlorene Geduld glich als einem Sitzmöbel. Der Verband um seinen Kopf spannte sich unangenehm unter der Hitze des Zelts, und sein linker Arm ruhte kraftlos in einer Schlinge. Die Schmerzen ignorierte er – nicht aus Heldenmut, sondern aus Trotz. Seine Laune war unter den Gefrierpunkt gerutscht, und man sah es ihm an.

Vor ihm, auf einem Klapptisch aus Stahl, lagen Berichte, Taktikprotokolle, unvollständige Depeschen – das zerknitterte Papier ein Symbol für die Lage auf Velkaris: zerrissen, chaotisch, ungewiss.

Sein Blick war finster, die Stirn in Falten, der Kiefer angespannt. Grimmig überflog er Zeile um Zeile, seine Laune verdüsterte sich mit jedem Absatz. Seit das Eingreifkommando "Veritas Ferrata" unter Tempestor Primus Erix Tolen – und seiner selbst – gemeinsam mit dem 8. Kombinierten Regiment unter Oberst Meier auf Velkaris gelandet war, hatte der Imperator ihnen wenig Gnade erwiesen. Vielleicht war es eine Prüfung. Vielleicht war es Verachtung.

Um die Befehlsgewalt zu klären, hatten er und Oberst Meier ein Übungsgefecht angeordnet – eine jener scheinbar harmlosen Farcen, die in Wahrheit Maskenball und Abrechnung zugleich waren.

Die Kasrkin seines Kommandos hatten sich tapfer geschlagen. In einem waghalsigen Vorstoss hatten sie es geschafft, Oberst Meier selbst zu markieren – ein symbolischer Sieg, aber mit Gewicht. Die Bullgryns dagegen… nun, sie hatten den Zweck der Übung nicht ganz verstanden und waren bis auf ihren Anführer prompt "eliminiert" worden.

Kill Team Bremon, Space Marines und elitäre Agenten des Ordo Xenos, wurden verheizt. Tolen lies sie an vorderster Front aufstellen und wurden durch den simulierten Feuerkorridore des gegnerischen Malcadors so gut wie vernichtet – ein Fehler, der in einem echten Einsatz tödlich gewesen wäre.

Quast selbst hatte ebenfalls am Manöver teilgenommen – was er mittlerweile zutiefst bereute. Er hatte die Kavallerie des 8. Regiments unterschätzt. Ein Fehler, der ihn und sein Gefolge früh aus dem Spiel nahm. Eine Reiterei. In Zeiten orbitaler Bombardierungen und Null-G-Kampfzonen! Er verharrte, den Blick an einem schmutzigen Datenblatt festgefroren. Vielleicht… sollte auch er Reiterei in Betracht ziehen. Er kritzelte eine kurze Notiz auf ein abgenutztes Pergamentstück.

Doch was ihn am meisten enttäuschte, war Tolen selbst. Der Tempestor Primus und sein Kommandotrupp – als Schocktruppen angesetzt – vermochten kaum, die verstreuten Reste von Meiers Truppen zu markieren, bevor sie vom Malcador des Gegners „zerlegt“ wurden. Nur die Gardisten die als seine Leibwache dabei waren schafften es kurz vorher noch den 'feindlichen' Leman Russ zu markieren. So blieb Quast nichts anderes übrig, als Meier das Oberkommando zu übertragen. Der Gedanke schmeckte bitter – und dennoch, weniger Verantwortung bedeutete auch weniger Papierkrieg.

Ein Seufzer entwich seinen Lippen.

Aus dem Nachbarzelt klangen metallische Klänge: Kampfservitor Daxia-1337 wurde von Techadept Ferron 001-VI repariert. Wenigstens dort lief etwas wie vorgesehen.

Er nahm sich Meiers letzte Einsatzunterlagen vor: ein Zusammenstoss mit Aeldari. Unklare Truppenbewegungen, keine genauen Verlustzahlen. Meier selbst hatte Einbussen erlitten, aber die Xenos? Keine Erwähnung nennenswerter Verluste. Quast schüttelte den Kopf. Das hätte eine Warnung sein müssen. Ebenso wie Meiers desaströser Berichtsstil – über den würde er noch persönlich sprechen müssen.

Er hatte das Tarot des Imperators befragt, nachdem er die Berichte studiert hatte. Die Karten hatten gesprochen – und ihre kryptischen Hinweise offenbarten die Identität ihrer Feinde: Aeldari vom Weltenschiff Altheris Serran. Eine Falle war vorbereitet worden, mit Hilfe kostbarer Noctilithsplitter.

Und tatsächlich erschienen sie – schneller als gedacht.

Die Kasrkin – mutig, diszipliniert – und ihre Chimären richteten schwere Verluste unter den Aspektkriegern an. Ein Falcon wurde vom Himmel geholt, ein Läufer schwer beschädigt. Doch sie wurden überrannt. Nicht alle kamen lebend davon.

Dann kamen sie – seltsame, leblose Konstrukte, geführt von einem Hexer der Xenos. Wesen, die sich durch Bullgryns, sein Rhino und sogar seine Agenten hackten, als bestünden diese aus Papier. Nur durch seine psionischen Fähigkeiten und einen Moment reinen Überlebenswillens entkam Quast dem Tod.

Kill Team Bremon wurde früh durch Fernfeuer bedrängt. Am Ende kam es zum Duell zwischen Bremon selbst und dem Hexer. Kurz schien der Sieg greifbar, doch es war eine Illusion – Bremon fiel. Sein ganzes Team wurde ausgelöscht.

Tempestor Primus Tolen kam wieder zuletzt – mit seinem Kommando und einem Trupp Gardisten. Sie vollendeten die Zerstörung des Läufers, doch dann erschienen wieder diese gespenstischen Krieger. Sie hackten sich durch die Gardisten, bis diese – gebrochen – flohen.

Ein leises Knurren entwich Quast, rau wie ein Kettenschwert, das auf Granit trifft. Wenn Tolen noch einmal versagte, würde es sein letztes Mal gewesen sein – das war so sicher wie der Tod.

Langsam stand der Inquisitor auf, die linke Schulter schmerzte bei jeder Bewegung. Er ging zum Zelteingang. Draussen dämmerte es über den vergessenen Schlachtfeldern von Velkaris. Ein ebenso verletzter Leutnant Bront kam mit weiteren Unterlagen auf ihn zu. Nun galt es, Ersatz für Bremon, dessen Team und seine Agenten zu finden.

Und vielleicht... auch für einen Tempestor Primus.
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The-great
Tempelritter
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Re: "Schatten über Velkaris"

Beitrag von The-great »

Hammer geschrieben. Danke.
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